12. Februar 2010: Der Berliner Polizeipräsident stellt die "Verkehrssicherheitslage 2009" in einer Pressekonferenz vor.
Im vergangenen Jahr gab es fast 125.000 Verkehrsunfälle in Berlin. Dabei wurden 16.277 Menschen verletzt und 48 Personen getötet, darunter 9 Radfahrerinnen und Radfahrer.
An 7.056 Unfällen waren Radfahrer beteiligt. Hauptunfallverursacher bleiben die Autofahrer (mehr als 70 %). Radfahrer spielen sowohl als Unfallbeteiligte als auch als Unfallverursacher mit rund 5 % kaum eine Rolle.
Verkehrsopfer
Die „schwachen“ Verkehrsteilnehmer sind bei den tödlich Verunglückten mit 9 Radfahrern und 19 Fußgängern prozentual die größte Gruppe, obwohl sie unterproportional häufig in Unfälle verwickelt sind.
- 7.056 Radfahrer waren an Verkehrsunfällen beteiligt.
- 539 Radfahrer wurden schwer- und 4.286 Radfahrer leichtverletzt.
Insgesamt sind die Unfälle mit Fahrradbeteiligung um 616 gesunken. Die Zahlen der Verunglückten sind leicht rückläufig. 2009 starben zwei Radfahrer weniger als 2008.
Analyse des ADFC Berlin
Sind Radfahrer eine Risikogruppe?
Radfahrende sind bei einem Unfall größeren Gefahren ausgesetzt, da ihnen die Sicherheitssysteme fehlen, die einen Autofahrer schützen. Allerdings ist es fast 25mal wahrscheinlicher, in einem Auto in einen Unfall verwickelt zu werden. Und das, obwohl der Autoverkehrsanteil in Berlin nur gut doppelt so hoch ist wie der Radverkehrsanteil. (Die Zahl der getöteten Auto- und Radfahrer liegt jeweils bei 9.)
In der Statistik der Polizei werden die fehlerhaften Verhaltensweisen der Radfahrer genannt, die am häufigsten zu Unfällen geführt haben:
- Benutzung der falschen Fahrbahn: 1.243 Unfälle
- Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr: 666 Unfälle
- nicht angepasste Geschwindigkeit: 372 Unfälle
- Fahren unter Alkohol: 266 Unfälle
- fehlerhaftes Verhalten gegenüber Fußgängern: 240 Unfälle
Die fehlerhaften Verhaltensweisen der Autofahrenden, die am häufigsten zu Unfällen mit Radfahrenden geführt haben:
- Fehler beim Abbiegen: 1.293 Unfälle
- Nichtgewähren der Vorfahrt: 608 Unfälle
- Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr: 482 Unfälle
- ungenügender Sicherheitsabstand: 173 Unfälle
- Nichtbeachten der Verkehrsregelung: 61 Unfälle
Unfallschwerpunkte
Erstmals wurden Hauptunfallschwerpunkte für Radfahrer analysiert:
- Frankfurter Tor: 18 beteiligte Radfahrer
- Mühlenstraße/Stralauer Straße/Warschauer Straße/Am Oberbaum: 16 beteiligte Radfahrer
- Admiralstraße/Kottbusser Straße/Reichenberger Straße/Skalitzer Straße/Adalbertstraße: 15 beteiligte Radfahrer
- Gleimstraße/Schönhauser Allee/Stargarder Straße: 14 beteiligte Radfahrer
Schwerpunktkontrollen
Von der Polizei wurden im Jahre 2009 Radfahrer verstärkt kontrolliert. Es wurden 22.143 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Das ist gegenüber 2008 (11.183) fast eine Verdoppelung! Auch für 2010 will die Polizei diese Schwerpunktkontrollen beibehalten.
Aktivitäten des ADFC Berlin
Der ADFC Berlin wird sich in diesem Jahr verstärkt dem Thema Verkehrssicherheit für Radfahrende widmen.
Geplant sind u.a. Kurse für „ältere Radfahrer“. Diese sind besonders gefährdet (4 von den 9 getöteten Radfahrern waren älter als 60 Jahre).
Wir werden die Unfallschwerpunkte analysieren und Verbesserungen der vorhandenen Problemstellen für den Radverkehr bei den zuständigen Behörden einfordern.




